Das anwaltliche Stundenhonorar:

 

Es klingt fair: Wer einen Rechtsanwalt für sich arbeiten lässt, zahlt als Honorar nur für das, was er in Anspruch nimmt. Das ist die Zeit, die sein Anwalt für seinen Fall aufwendet. Diese Zeit misst man in Stunden, und jede Stunde kostet einen bestimmten Betrag. Das sogenannte Stundenhonorar.

 

Schließlich bezahlt man beim Metzger ja auch nur das Stück Fleischwurst, das man sich abschneiden lässt, und nicht gleich den ganzen Ring, den man gar nicht mitnimmt. - Auch die Putzhilfe - sofern man sich eine leistet - wird in aller Regel nach Stunden bezahlt und nicht mit einem Pauschalbetrag dafür, dass sie sich ab und zu wie lange auch immer in ihrer Wohnung zu schaffen macht.

 

Zwischen dem Mandanten und dem Anwalt kann so bei Aufnahme des Mandats vereinbart werden, was sein Anwalt pro Arbeitsstunde kostet. Dabei sollten Sie ruhig von Beträgen ab 250 Euro zzgl. USt. ausgehen (Empfehlung der Rechtsanwaltskammern für kostendeckende Arbeit). Bei vielen Kanzleien liegen die Sätze auch deutlichst darüber.

 

 

(Wann) Ist das Stundenhonorar sinnvoll? 

Dieses Abrechnungsmodell bietet sich im strafrechtlichen Bereich -meiner Meinung- nur in Einzelfällen an, z.B. für fortgesetzte Beratungsmandate, rechtliche Prüfungen, die Erstellung von Gutachten oder die Erstellung von Strafanzeigen an.

 

Sie erhalten - je nach Vereinbarung - wöchentlich oder monatlich Rechnungen, die alle in ihrem Fall erbrachten Leistungen im fünf-, zehn- oder 15-Minuten-Takt ausweisen. Für das Studium der Akte, die juristische Prüfung, Vernehmung von Zeugen, Telefonate mit Ihnen, Staatsanwälten oder Richtern, das Diktat eines Schriftsatzes usw. 

 

Sie sehen also in diesen Fällen, was ich wann gemacht haben und können das Ergebnis des "über den Fall Nachdenkens" in Form von Vermerken oder Gutachten sehen.

 

Grundsätzlich müssen Sie aber dem Anwalt vertrauen, dass er nur die Zeiten aufschreibt, in denen er über Ihren Fall nachgedacht hat - und das ist bei der Verteidigung nicht gut zu machen. 

 

Im Falle einer Strafverteidigung kann man oft nicht vorher abschätzen, wie hoch der Arbeitsaufwand und wie viel Zeit das Durchdenken der Verteidigungsstrategie oder gar ein Hauptverhandlungstag in Anspruch nehmen wird. Stellen Sie sich vor, der Staatsanwalt steht im Stau, das Gericht lässt sich Zeit in der Verhandlungspause, der Zeuge redet ausschweifend, lang und unnötig - und Sie sollen das nach Stunden bezahlen. Das werden Sie nicht einsehen! Zu Recht! 

 

Außerdem ist es im Falle der Strafverteidigung - das weiß jeder gute Strafverteidiger - oft erforderlich, mit dem Mandanten in Ruhe über Dinge sprechen zu können, die auf den ersten Blick vielleicht gar nichts mit seinem Fall nichts zu tun haben. Wir "schließen unseren Mandanten auf", wie man so sagt, um ihn als Persönlichkeit zu verstehen, sein Verhalten zu begreifen und Ansätze für eine sinnvolle Verteidigung zu suchen. Das ist ein scheinbar beiläufiger "small-talk", in Wahrheit aber Arbeit. Und die ist wichtig. Das sollte niemals im Kostendruck untergehen!

Sie sollten außerdem immer die Möglichkeit haben, auch nach vermeintlichen "Kleinigkeiten" zu fragen, ohne auf die Uhr schauen, mit der bangen Frage, ob Sie sich die Frage "leisten" können. 

 

Daher ist das Stundenhonorar meiner Meinung nach bei Beratungsmandaten angemessen oder in den Fällen, wo der Mandant massig Unterlagen bringt, die der Anwalt allein zu prüfen und zu würdigen hat. Bei einer Strafverteidigung ist es eher fehl am Platz. Hier bietet sich das Pauschalhonorar an.