Das sogenannte gesetzliche Honorar:

 

Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) sieht für bestimmte Tätigkeiten feste Taxen vor, nahezu jeder Laie könnte, wenn er sich die Mühe gibt und in die Materie einarbeitet, die RVG-Abrechnung seines Anwalts überprüfen. Scheinbar also die ideale Abrechnungsart, um späteren Streit zu vermeiden, oder?

 

Leider nicht, weil sich viele Strafrechtsfälle bei gewissenhafter Arbeit nun einmal nicht für die recht bescheidenen Sätze des "RVG" anständig bearbeiten lassen.

 

Die gesetzliche Gebührenordnung hat ihren Sinn bei kleineren Fällen wie einem nachgewiesenen Ladendiebstahl, der Teilnahme am Straßenverkehr unter Alkohol u.s.w.. Sie versagt jedoch, wenn es wirklich um etwas geht. Etwa um eine komplizierte Steuerstrafsache, ein umfangreiches Wirtschaftsstrafverfahren, eine Freispruchsverteidigung gegen den Vorwurf einer Vergewaltigung, einen Kunstfehlerprozess gegen einen Chirurgen oder was auch immer.

 

Das wird auch jedermann einleuchten.

 

Dass dennoch renommierte Kollegen - ich schliesse mich da nicht aus - ab und zu auch komplizierte und aufwendige Verteidigungen für die gesetzlichen Gebühren oder gar die noch geringeren eines Pflichtverteidigers übernehmen, hat keine wirtschaftlichen Gründe. Da reizt die anwaltliche Herausforderung in einem interessanten Fall, oder der Mandant ist einem persönlich bekannt und sympathisch.