Anwaltskosten

Was kostet ein Anwalt? Oder: Was bekomme ich für mein Geld?

 

Strafverteidiger - übrigens Anwälte insgesamt - leben nicht von Luft und Liebe, sondern sind wie alle anderen Berufstätigen auch auf eine angemessene Bezahlung angewiesen. 

 

Das scheinen einige Rechtssuchende anders zu sehen, aber es ist eben so. Hier einige Erläuterungen zu der Bezahlung von Strafverteidigern.


Die Bemessung, Geltendmachung und Abrechnung von Anwaltskosten für den Strafverteidiger ist eines der heiklen Themen, an denen die Erteilung von Mandaten häufig scheitert oder weswegen Mandate vorzeitig beendet werden, weil sich der Anwalt und sein Auftraggeber über die Zahlung in die Haare geraten.

 

Gelegentlich sehen Auftraggeber nicht ein, dass eine „kleine“ Verteidigung etwa wegen einfachen Diebstahls mehr als 1.000 Euro kosten soll, weil ihnen das wirtschaftliche Verständnis dafür fehlt. Gehen wir zum Beispiel von diesem Betrag aus, dann muss der Anwalt die Mehrwertsteuer abführen, von dem verbleibenden Betrag seinen beruflichen (Büro-)Aufwand decken, der üblicherweise bei etwa 50 % des eingenommenen Nettobetrages liegt, und den dann verbleibenden Restbetrag auch noch versteuern. Möglicherweise bleiben für ihn dann kaum 300 Euro über.

(Nach dem Besuch beim Anwalt leere Taschen?)
(Nach dem Besuch beim Anwalt leere Taschen?)

Schon diese simple Überschlagsrechnung müsste eigentlich den Unmut des einen oder anderen Mandanten relativieren, aber wer denkt schon daran, wenn er seinen Rechtsanwalt bezahlt?

 

Häufig merken aber auch Mandanten gar nicht, was ihr Strafverteidiger für sie leistet und erreicht. Das sind die eigentlich ärgerlichen Fälle. Da laufe ich beispielsweise in einer für meinen Mandanten peinlichen Strafsache zum Staatsanwalt, rede lange auf ihn ein, um sein Herz für eine Einstellung des Verfahrens zu erwärmen, schreibe mir parallel dazu die Finger wund, ertrage häufige weinerliche Anrufe meines Auftraggebers, soll schließlich auch noch seine Ehefrau in einem langen gemeinsamen Gespräch beruhigen, habe letztendlich auch Erfolg,das strafrechtliche Ermittlungsverfahren wird dank meines Einsatzes eingestellt, und was geschieht?

 

Der Mandant ruft anschließend an und beschwert sich darüber, einen beträchtlichen Betrag als Honorar gezahlt zu haben, obwohl die Sache noch nicht einmal vor Gericht kam, er also nicht im öffentlichen Prozess zu Gericht kommen und auf der Anklagebank Platz nehmen musste.

(Das Stundenhonorar - es läuft und läuft)
(Das Stundenhonorar - es läuft und läuft)

Man kann es als Anwalt nicht jedem recht machen, und ich gebe zu, auch liegt eine Ursache für spätere Zerwürfnisse gar nicht selten in dem Verhalten der Angehörigen meiner Zunft begründet.

 

Das Thema Anwaltskosten - mit mir können Sie rechnen:

 

Ich nehme kein Geld dafür, wenn Sie kurz mit mir sprechen möchten, um entscheiden zu können, ob Sie mir Vertrauen entgegen bringen können und ich aus Ihrer Sicht der richtige Anwalt für Ihr strafrechtliches Problem bin. Das kostet Sie nichts.

 

Anders bei einer strafrechtlichen Beratung, wenn ich Ihnen Ratschläge zum weiteren Vorgehen geben soll. Die Schwierigkeit Ihres Falles und der Zeitaufwand bestimmen den Preis. Es gibt Beratungen, die kaum mehr als 500 Euro kosten.

 

Und wenn es zur Sache gehen sollte: Die Verteidigung in einem Strafverfahren kann gelegentlich für nur 1.000 Euro geleistet werden, von Anfang bis Ende. In umfangreichen oder schwierigen Fällen ist das Honorar natürlich oft weit höher. Das klären wir, wenn Sie wollen, bevor Sie mich beauftragen.

Bedenken Sie bitte: Jeder Fall ist anders, eine umfangreiche Strafsache verschlingt nun einmal hohe Anwaltskosten, sollte Ihr Fall - das ist stets mein Anliegen - kräfte- und zeitschonend zum guten Ende gebracht werden können, lässt sich der Aufwand von vornherein reduzieren.

 

Transparenz wie sie Mandanten schätzen - das Pauschalhonorar:

 

Nach meiner langjährigen Beobachtung geraten Mandanten mit ihren Rechtsanwälten recht selten wegen der Qualität anwaltlicher Dienstleistung in Streit, oft allerdings wegen des Honorars. Aus meiner eigenen Erfahrung und Einschätzung häufig zu Unrecht, da mag im Einzelfall vielleicht ein Problem bei der Kommunikation entstanden sein, aber der Anwalt hat nicht immer etwas falsch gemacht.

 

Daneben gibt es die die jedem Kollegen bekannten "Schlaumeier", die einem gerade in Strafsachen zunächst heulend das Mandat antragen und tränenreich um Hilfe bitten, um später nach Erledigung der Strafsache darüber nachzudenken, ob sie nicht - mit welcher absurden Begründung auch immer - einige Euro zurückfordern können.

 

Diese "Frettchen" sind schuld daran, dass viele meiner Kollegen jeden neuen Mandanten inzwischen als künftigen Feind ansehen und zu ihm von vornherein auf inneren Abstand gehen. Das tut dem Mandat nicht gut, kann daher nicht richtig sein und beeinträchtigt die Wahrnehmung von Mandanteninteressen, der jeder Anwalt verpflichtet ist.

 

Also: Denken wir gemeinsam darüber nach, wie bei der Honorierung des Strafverteidigers eine Transparenz geschaffen werden kann, die Streitfälle um das Honorar vermeiden hilft. Die "Frettchen" wird man damit zwar auch nicht los, aber die ehrlichen und korrekten Mandanten wüssten, woran sie sind, und sie hätten keinen Grund zur Unzufriedenheit.

 

Das sogenannte gesetzliche Honorar:

 

Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) sieht für bestimmte Tätigkeiten feste Taxen vor, nahezu jeder Laie könnte, wenn er sich die Mühe gibt und in die Materie einarbeitet, die RVG-Abrechnung seines Anwalts überprüfen. Scheinbar also die ideale Abrechnungsart, um späteren Streit zu vermeiden, oder?

 

Leider nicht, weil sich viele Strafrechtsfälle bei gewissenhafter Arbeit nun einmal nicht für die recht bescheidenen Sätze des "RVG" anständig bearbeiten lassen.

 

Die gesetzliche Gebührenordnung hat ihren Sinn bei kleineren Fällen wie einem nachgewiesenen Ladendiebstahl, der Teilnahme am Strassenverkehr unter Alkohol u.s.w.. Sie versagt jedoch, wenn es wirklich um etwas geht. Etwa um eine komplizierte Steuerstrafsache, ein umfangreiches Wirtschaftsstrafverfahren, eine Freispruchsverteidigung gegen den Vorwurf einer Vergewaltigung, einen Kunstfehlerprozess gegen einen Chirurgen oder was auch immer.

 

Das wird auch jedermann einleuchten.

 

Dass dennoch renommierte Kollegen - ich schliesse mich da nicht aus - ab und zu auch komplizierte und aufwendige Verteidigungen für die gesetzlichen Gebühren oder gar die noch geringeren eines Pflichtverteidigers übernehmen, hat keine wirtschaftlichen Gründe. Da reizt die anwaltliche Herausforderung in einem interessanten Fall, oder der Mandant ist einem persönlich bekannt und sympathisch.

 

Das anwaltliche Stundenhonorar:

 

Dem Mandanten wird bei Aufnahme des Mandats erklärt, was sein Anwalt pro Arbeitsstunde kostet (gehen Sie ruhig einmal von Beträgen ab etwa 250 Euro aufwärts - eher deutlich aufwärts - bei einer  angesehenen Kanzlei aus).

 

Fortan erhalten Sie wöchentlich oder monatlich (wie auch immer) Rechnungen, die sofort zu bezahlen sind, und die alle in ihrem Fall erbrachten Leistungen im fünf-, zehn- oder 15-Minuten-Takt ausweisen. Für das Studium der Akte, die Vorbereitung einer Vernehmung, Telefonate mit Ihnen, Anrufe bei Staatsanwälten oder Richtern, das Diktat eines Schriftsatzes u.s.w..

 

Rufen Sie Ihren Anwalt an, um eine kurze Frage zu klären, tickt die Uhr. Sitzen Sie ihm gegenüber und berichten über Ihr Problem, die Uhr läuft. Eigentlich läuft sie immer, wenn Ihr Anwalt nur an Sie denkt.

 

Ein Fass ohne Boden, meinen Sie? Weiß ich gar nicht, vielleicht ist in Ihrem Fall ja gar nicht soviel zu tun, es kann ja sein, dass Sie mit der Stundenabrechnung ganz gut davon kommen. Nur man weiß es eben leider nicht vorher.

 

Ich denke, das Stundenhonorar mag bei Wirtschaftskanzleien angebracht sein, die Firmenfusionen beraten, die Privatisierung eines Staatsunternehmens gestalten, Börsengänge vorbereiten u.s.w.. Bei uns Strafverteidigern ist es eher fehl am Platz.

 

Wie oft - das weiß jeder gute Strafverteidiger - reden wir mit unseren Mandanten über Dinge, die scheinbar mit seinem Fall nichts zu tun haben. Wir "schließen unseren Mandanten auf", wie man so sagt, um ihn als Persönlichkeit zu verstehen, sein Verhalten zu begreifen und Ansätze für eine sinnvolle Verteidigung zu suchen. Das ist ein scheinbar beiläufiger "small-talk", in Wahrheit aber Arbeit.

 

Und dann soll ich einem Hochschullehrer, einem Firmenvorstand, einer Chefärztin oder auch "nur" einem Facharbeiter eine Abrechnung mit dem Belegtext "90 Minuten Gespräch über Ihre Kindheit in meiner Kanzlei am xx.xx.xxxx = 450 Euro zzgl. MwSt." schicken? - Ich habe ganz selten auf Wunsch von Mandanten nach Stundensätzen abgerechnet und werde nie vergessen, nach gutem Abschluss einer Sache von meinem Auftraggeber einen Brief erhalten zu haben, ich solle 300 Euro zurück überweisen, denn am soundsovielten hätten wir kaum über die Strafsache, sondern über seine familiäre Situation gesprochen. - Als wenn so etwas nicht zum Fall gehört.

 

Mein Favorit: Das Pauschalhonorar:

 

Jeder Mandant soll vorher wissen oder zumindest abschätzen können, was ihn seine Verteidigung durch mich kosten wird. Das schafft Transparenz, verhindert Misstrauen wegen nicht nachvollziehbarer Abrechnung von Arbeitszeiten und gibt dem Mandanten Planungssicherheit. Dass ich als Anwalt dabei mal etwas besser, dann wieder etwas schlechter verdiene, nehme ich hin. Auch ich bin schließlich kein Hellseher und kann den Gang des Verfahrens nicht sicher vorhersehen. Jedenfalls wird kein Mandant in die "Falle eines Fasses ohne Boden" gelockt.

 

Und kein Mandant wird davon absehen, mit mir wichtige Dinge zu erörtern, weil er sozusagen die Stoppuhr auf der Stirn seines Anwalts sieht und die nächste Abrechnung fürchtet. Ich möchte mich Ihnen hier allerdings nicht als "Gutmensch" darstellen, der sich immer Zeit für belanglose Redereien nimmt. Wer nur Zeit stehlen will, erfährt natürlich auch bei mir eine Abfuhr. Es geht um wichtige Dinge, für die ich ein offenes Ohr habe. - Das dann allerdings ohne Stoppuhr in Ruhe bei einer Tasse Kaffee.

 

Das Pauschalhonorar lässt sich umfassend leider nur für das polizeiliche oder staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren vereinbaren. Sollte es trotz aller Bemühungen zu einer Anklage kommen, also zu einem anschließenden Strafprozess, ist es nur in den seltensten Fällen möglich, auch die gesamte gerichtliche Tätigkeit des Anwalts im vornherein durch die Vereinbarung einer pauschalen Vergütung zu regeln.

 

Dann biete ich meinen Mandanten jedenfalls die Option, ein festes Honorar pro Termin zu vereinbaren, wie lange er auch dauern mag. Was kann ein Angeklagter dafür, wenn das Gericht seinen Fall nicht von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr verhandelt, sondern ausnahmsweise bis 18.00 Uhr tagt?

 

Stundenhonorar - der Rechtsanwalt rechnet ab, der Mandant hat zu zahlen:

 

Es klingt scheinbar fair: Wer einen Rechtsanwalt für sich arbeiten lässt, zahlt als Honorar nur für das, was er in Anspruch nimmt. Das ist die Zeit, die sein Anwalt für seinen Fall aufwendet. Diese Zeit misst man in Stunden, und jede Stunde kostet einen bestimmten Betrag. Das sogenannte Stundenhonorar.

 

Schließlich bezahlt man beim Metzger ja auch nur das Stück Fleischwurst, das man sich abschneiden lässt, und nicht gleich den ganzen Ring, den man gar nicht mitnimmt. - Auch die Putzhilfe - sofern man sich eine leistet - wird in aller Regel nach Stunden bezahlt und nicht mit einem Pauschalbetrag dafür, dass sie sich ab und zu wie lange auch immer in ihrer Wohnung zu schaffen macht.

 

Klingt absolut plausibel, oder? - Weshalb sollte das bei Anwälten anders sein? - Ich sage es Ihnen und versuche es zu erklären. Meine Sicht der Dinge:

 

Das aus dem amerikanischen Anwaltswesen (oder "Unwesen") im Laufe der Zeit nach Deutschland hinübergeschwappte Abrechnungsverfahren anwaltlicher Honorare auf Grundlage von Stundensätzen ist nur scheinbar fair, lässt Mandanten über die letztendlich für den Anwalt aufzubringenden Beträge im unklaren, führt nicht selten zum Vertrauensverlust zwischen Mandant und Anwalt und hat - jedenfalls im strafrechtlichen Bereich - den hässlichen Beigeschmack, der eigene Rechtsanwalt könne mehr an der Fortsetzung eines den Mandanten quälenden Strafverfahrens interessiert sein als an dessen rascher dem Interesse des Mandanten dienender Beendigung.

 

Harte Worte, ich weiß, aber lesen Sie weiter, wenn Sie meine Argumente interessieren.

In einem Forum im Internet fand ich einen Beitrag, der sich mit Anwälten und ihren Abrechnungen befasst. „Hallo Wack" - offenbar ein Pseudo des Verfassers - erkennt an, dass ein guter Verteidiger in vielen Fällen nicht für die sogenannten gesetzlichen Gebühren der BRAGO (heute "RVG") arbeiten kann und daher entweder ein höheres Pauschalhonorar vorschlägt oder nach Stundensätzen abrechnet, die durchaus beachtlich sein können.

 

Und dann erörtern „Hallo Wack“ und sein Internet-Gegenüber das oft wiederkehrende Problem der Abrechnung nach Stunden, und dann entsteht der Kummer, der Anzahl abgerechneter Stunden wird misstraut.

 

Es ist eben so. Wenn man einen Handwerker bestellt, der ein Zimmer tapezieren soll, kommt man abends nach Hause und sieht, was für das Geld geleistet wurde. Die Tapete ist verklebt oder aber nicht, die Wände sehen ordentlich aus, oder man sagt dem Handwerker die Meinung.

 

Anders bei anwaltlicher Tätigkeit. Mein Mandant sieht nicht, wann, wie lange und mit welcher Intensität ich für ihn arbeite, er sitzt mir dabei nun einmal nicht auf dem Schoß. Er sieht auch bei unserer nächsten Besprechung keine „tapezierten Wände“, die er auch als Laie irgendwie bewerten kann.

 

Juristische Denkarbbeit kann ein Laie – und das sind die meisten Mandanten – nun einmal nicht bewerten. Also muss er die Abrechnungen der Stunden im Vertrauen darauf ausgleichen, dass alles so seine Richtigkeit hat. Vertrauen aber ist ein flüchtiges Gut. Insbesondere dann, wenn ein Mandant den Eindruck hat, man trete auf der Stelle, sein Fall bewege sich nicht oder jedenfalls nicht in die angestrebte Richtung.

 

Dazu passt ein Gespräch mit einem Kollegen, der irgendwo in Deutschland in einer Grosskanzlei angestellt war, bei der nach Stundensätzen abgerechnet wird. Unser abendliches Gespräch bei einem Glas Wein verlief etwa wie folgt:

 

In Eurer Kanzlei gibt es keine Pauschalhonorare, es wird den Mandanten gegenüber nach Stundensätzen abgerechnet. Ist das so?“

 

"Ja, die Mandanten unterschreiben Vereinbarungen, welche Stundensätze abgerechnet werden. Bei den Partnern sind das Beträge zwischen 350,- bis 500,- Euro pro Stunde, für meine Arbeit werden 250,- Euro pro Stunde abgerechnet."

 

Wieviel Prozent davon erhältst Du?

 

"Das kann man so gar nicht sagen, ich erhalte als Angestellter ein festes Gehalt und muss 35 Stunden pro Woche produzieren, die den Mandanten in Rechnung gestellt werden können. Zeiten für allgemeine Kanzleibesprechungen, Teilnahme an Seminaren oder sonstige Fortbildung zählen da nicht. Ich arbeite 50 - 60 Stunden die Woche, um mein Pensum zu erfüllen, das sind diese 35 den Mandanten zu berechnenden Stunden."

 

„Das scheint mir eine harte Nummer zu sein (mein Gegenüber nickt), was passiert, wenn Du arbeiten willst, aber nicht kannst?“

 

"Wie meinst Du das?"

 

„Na ganz einfach, in den Dir übertragenen Fällen gibt es im Augenblick nichts Sinnvolles zu tun, das kann doch vorkommen!“

 

"Nein" (mein Gegenüber schaut mich unsicher an) " kann es nicht, irgend etwas fällt mir immer ein, notfalls diktiere ich einen Vermerk zur Akte oder so ..."

 

Zur Vermeidung von Missverständnissen: Es soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, Kanzleien in Deutschland - ob nun gross oder klein, prominent oder unbekannt - würden planmässig bei Vergütungsvereinbarungen auf Stundenbasis falsch abrechnen, das ist auch gar nicht der Ansatz meiner Kritik.

 

Es geht vielmehr um die Befindlichkeit von Mandanten, und die neigen nun einmal dazu, Abrechnungen nach Stunden zu misstrauen, denn anders als bei ihrer Putzfrau (das Eingangsbeispiel) sehen Sie in aller Regel nicht, wann und wielange sich ihr Anwalt an einem bestimmten Tag mit ihrem Auftrag befasst und welchen konkreten Sinn diese Tätigkeit macht.

 

Und ein weiterer ganz entscheidender Nachteil für Mandanten bei einer Vergütungsvereinbarung auf Stundenbasis scheint mir darin zu liegen, dass sie bei Erteilung eines Mandants nicht vorhersehen können, was die Erledigung der Sache letztendlich kostet. Das mag etablierte "Grosskunden" aus der Industrie, dem Bankenbereich u.s.w. nicht weiter stören, sie würden sicher jede Anwaltsrechnung - wie irrwitzig auch immer - bezahlen können, ohne in wirtschaftliche Bedrängnis zu geraten.

 

Das gilt aber nicht für jeden Mandanten, er möchte Planungssicherheit und vorher abschätzen können, wie er seine "Kriegskasse" für den Kampf um das Recht bestücken muss. - Daher spreche ich mich gegen die Vereinbarung einer Vergütung nach Stunden aus und bevorzuge im Interesse meiner Mandanten das Pauschalhonorar.

 

Rechtsrat beim Discounter - die Rechtsanwälte im Schaufenster:

 

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Als Student ausgebildet in einer Zeit, in der Anwälte noch wie Spinnen im Netz in vergilbten Kanzleien saßen und gelegentlich die "Gnade" zeigten, einen Rechtssuchenden zu empfangen, der ihnen schüchtern sein Mandat antrug und nach dem Honorar nicht zu fragen wagte, freue ich mich über den Wandel der Zeit. Aus dem schüchternen Mandanten von gestern ist ein aufgeklärter Verbraucher geworden.

 

Anwälte müssen ihre Dienstleistung inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes "verkaufen", und das ist gut so. Und ebenso finde ich es im Prinzip gut, dass junge Anwälte bisherige Rituale in Frage stellen und neue Ideen entwickeln, Ihre Dienstleistung zu vermarkten.

 

Eine scheinbar interessante Überlegung war die Gründung von Franchise-Ketten nach dem Muster der Systemgastronomie. So wie etwa McDonalds seine Hamburger verkauft, werden - man muss inzwischen wohl sagen wurden - von verschiedenen Anbietern (führend in Deutschland war die Fa. Juraxx) zum Billigpreis anwaltliche Dienstleistungen angeboten.

 

Das ganze auch noch etwas peppig und in Ladenlokalen, wie sie sonst von Reinigungsannahmestellen oder Sonnenstudios genutzt werden. Für den Kunden liest sich das so: "Der Staat verweigert Dir die Rente? - Lege 20 Euro hin und Du weisst Bescheid." - Oder: "Du willst Dich scheiden lassen? - Für 20 Euro erfährst Du, wie das geht, wir rechnen den Unterhalt aus, besprechen das Sorgerecht für die Kinder, ermitteln den Anspruch auf Zugewinn (Vermögensteilung) u.s.w". ...

 

So etwas konnte natürlich nicht gutgehen.

 

Alles Fragen, die ein kompetenter Anwalt zu beantworten hätte. Glauben Sie wirklich, dass so etwas für wenige Euro seriös zu machen ist? Eine umfassende Scheidungsberatung zum Preis einer besseren Autowäsche? Oder die sorgfältige Beratung in einer rentenrechtlichen Angelegenheit (mein Gott, um was geht es da für den Mandanten!) zum Preis von zwei Pizzen "auf die Hand"?

 

Natürlich nicht. Viel mehr als oberflächliches Gerede kann dabei wohl kaum herauskommen. Und da liegt der Haken an der Sache. Und es stellt sich die Frage, ob diese "Billigheimer" nicht verantwortungslos handeln.

 

Deshalb bin ich gegen "McLaw" und Co., wie originell das alles auch sein mag.

Übrigens: Einen Anwalt von einem dieser Ramschläden lernte ich 2007 in einem Strafprozess kennen. Er hatte von Strafverteidigung soviel Ahnung wie ich von Atomphysik.

 

Die Kritik wegen des einen oder anderen Fehlers der Beratung bei "Billigheimern" wie Juraxx oder wem auch immer will ich gar nicht aufgreifen. Auch in etablierten Kanzleien herkömmlicher Art gibt es ab und zu leider Pannen, das Internet ist voll von Berichten darüber.

 

Der Unterschied aus meiner Sicht: Bei "Billigheimern" hat der Kunde kaum eine Chance, solide und umfassend beraten zu werden. Bei einem etablierten Anwalt für etwas mehr Geld dagegen schon. Und das macht den Unterschied.

 

Die Sache hat inzwischen auch ein Ende, wenn auch kein "happy-end": Der Billiganbieter ging pleite. Es konnte keinen Fachmann überraschen: Die "Billigheimer" wie Juraxx und Co. sind nicht überlebensfähig. Und das ist gut so, wenn man bedenkt, wie unseriös anwaltliche Leistungen angeboten wurden.

 

Wir konnten damals lesen, dass 140 Rechtsanwälte einen Jahresumsatz von 6,5 Millionen Euro erzielt haben sollen. Eine insgesamt bedeutende Summe, gewiss. Aber auf den Kopf gerechnet eben nur weniger als 50.000 Euro jährlich pro Anwalt. Und wir reden nicht über Gewinn, sondern Umsatz. Die Kosten bei Anwälten liegen bei 50 %, also kann ein Juraxx-Anwalt nur ca. 25.000 Euro jährlich verdient haben. Das sind etwa 2.000 Euro monatlich vor Abzug von Renten- und Krankenversicherung, und der Rest ist auch noch zu versteuern. Mehr als 1.000 Euro monatlich konnten dann kaum übrig bleiben.

 

Jede gute Sekretärin verdiente besser als diese Billiganwälte, die im Durchschnitt an der Armutsgrenze gelebt haben müssen.

 

Nichts dagegen zu sagen, wenn jemand bescheiden ist. Arroganz ist mir fremd. Aber glaubt irgend jemand im Ernst, dass er einen guten - also kompetenten - Anwalt findet, wenn dieser keinen anderen Weg findet als an der Pfändungsfreigrenze sein Leben zu fristen?

 

Was kann Rechtsberatung wert sein, die für den Preis von zwei Pizzen angeboten wird? - Nicht mehr als zwei Pizzen.